Daten zur Geschichte Handschuhsheims

765 erstmals als Ort schriftlich erwähnt, im Lorscher Kodex, Besiedelung reicht aber weit in die Vorgeschichte, was zwei Alamannen-Friedhöfe belegen.

774 erstmals Erwähnung einer dem Hl. Nazarius geweihten Kirche, Vorgängerin der heutigen kath. Kirche St.Vitus. Diese Kirche ist somit die älteste aller Heidelberger Kirchen. Reste des romanischen Baues von 1053 sind trotz Umgestaltung und Erweiterung im gotischen Stil – 1483 – noch gut zu erkennen. Eine letzte Erweiterung erfuhr die Kirche 1934. 1650 – 1910 St. Vitus ist Simultankirche – 1910 Einweihung der ev. Friedenskirche.
Die St. Vitus-Kirche enthält etliche sehenswerte Grabmäler der Ritter von Handschuhsheim.

1475 die Tiefburg, eine Niederungsburg mit Wassergraben, wird erstmals als „Schloß“ der Ritter von Handschuhsheim erwähnt, der Bau dürfte allerdings gute 200 Jahre älter sein, seine heutige Gestalt geht auf die Renovierung durch Graf Raban von Helmstatt von 1910 zurück.

1609 Handschuhsheimer Schlößchen (gegenüber der Tiefburg) als Sitz eines Freiadligen erbaut.

1650 Handschuhsheim wird nach langer Lorscher und Mainzer Zugehörigkeit endgültig der Kurpfalz als Lehen zugesprochen, nachdem es bereits seit 1460 unter pfälzischer Herrschaft war.

1689 Verwüstung des Dorfes durch den französischen General Melac.

19. Jahrhundert wird durch seinen florierenden Gemüse- und Obstbau (Kirschen!) weit bekannt.

1903 Eingemeindung nach Heidelberg mit entsprechendem Bauboom, was man an etlichen Gründerzeit- und Jugendstilhäusern bzw.-elementen im Ortskern erkennen kann. Dennoch ist der ehemalige Dorfcharakter noch weitgehend erhalten.

Termine und Themen

 

24. November 2022 Der Handschuhsheimer Eiskeller

Führung mit Heidrun Schlechter

Achtung: Anderer Ort:
Treffen im Eiskeller, Ecke Dossenheimerlandstr. /Friedensstr.,  19.30 Uhr
26. Januar 2023 Verschwundene Wirtschaften

Vortrag von Ludwig Haßlinger

23. Februar 20232 Heidelberger Straßennamen

Vortrag von Hansjoachim Räther

30. März 2023 Nikolai Rimski-Korsakow in Handschuhsheim

Vortrag von Michael Leitz

27. April2023 Handschuhsheimer Feld

Lesung mit Herbert Kollenz

25. Mai 2023 Besuch der Schauenburg in Dossenheim
29. Juni 2023 Der Wald in Poesie, Musik und Malerei

Vortrag von Walter Kaschau

Wir über uns

Die Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt versteht sich als öffentliches Forum für lokale Geschichte , Brauchtum und Kultur des Heidelberger Stadtteils. Die allmonatlichen Treffen stehen jeweils unter einem bestimmten Thema mit anschließender Aussprache und Ergänzungen seitens der Teilnehmer, die ihrerseits auch Themen einbringen können.

Entstanden ist dieses Forum 1997 nach einer Idee von Ludwig Haßlinger, der die Autoren des alljährlich im Juni erscheinenden Handschuhsheimer Jahrbuches zwecks Absprache der einzelnen Beiträge an einen Tisch brachte. Aus der gemeinsamen Planung künftiger Jahrbücher entstand ein regelmäßiges Treffen, nun offen für alle an der Ortsgeschichte Interessierte.

2008 fusionierte die Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt aufgrund ähnlicher Interessen und Ziele mit der Schutzgemeinschaft Heiligenberg e.V.

Daten zur Geschichte des Heiligenberges

Vor Christi Geburt

5500 – 5000 Älteste Funde der Bandkeramik; sporadische Begehungen
5000 – 4400 Früheste Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit
Ab 1200 Urnengräberzeitliche Besiedlung über den Bereich der inneren Keltenmauer hinaus mit vielen Keramikfunden
7. bis 3. Jahrhundert Keltische Besiedlung: Fürstensitz, Kultstätte (Heidenloch?); 2 Ringmauern; zeitweilig ausgedehnte Besiedlung des Heiligenberges, etwa 400 Wohnpodien nachgewiesen

Nach Christi Geburt

Um 80 bis 260/70 Römischer Tempelbezirk der Militärsiedlung in Neuenheim mit Merkurtempel und Jupiterheiligtum
300 – 500 Geringe Spuren der Begehung während der Völkerwanderungszeit
Um 600 Zahlreiche Begräbnisse auf dem hinteren Gipfel lassen auf merowingische Besiedlung schließen
700 – 882 Anlage einer fränkischen Königsburg unter Verwendung der keltischen Mauerreste; Umwidmung des Merkurtempels in eine Michaelskirche; Beginn der Anwesenheit von Benediktinermönchen des Klosters Lorsch auf dem „Aberinesberg“
870 Erster Neubau einer Michaelskirche unter Verwendung von Teilen der Tempelmauern
882 Der (ost)fränkische König Ludwig III. schenkt den Aberinesberg dem Kloster Lorsch
9./10. Jahrhundert Die auf dem Berg anwesenden Mönche gestalten die Michaelskirche mehrfach um zu einer dreischiffigen Basilika
1023 Kaiser Heinrich II. erlaubt dem Lorscher Abt Reginbald einen Neubau von Kirche und Kloster auf dem Heiligenberg
1069/70 Der ehemalige Hirsauer Abt Friedrich kommt auf den Heiligenberg und stirbt dort; Grab in der Ostkrypta
1090 Mönch Arnold gründet auf den Vordergipfel eine Klause
1094 Abt Anshelm von Lorsch fördert ebendort den Bau eines Klosters, das St. Stephan und später auch St. Laurentius gewidmet ist.
Um 1100 Grabplatte der Hazecha im Eingangsbereich der Stephanskirche
1101 Abt Anshelm von Lorsch wird im Stephanskloster begraben
1232 Der Heiligenberg kommt in den Besitz des Erzbistums Mainz
Um 1265 Prämonstratenserchorherren aus dem Kloster Allerheiligen im Schwarzwald folgen auf die vertriebenen Benediktinermönche.
1460 Der Heiligenberg kommt unter die Verwaltung der Kurpfalz
16. Jahrhundert Niedergang des Michaelsklosters
1503 Einsturz des Glockenturms in der Nacht; drei Patres werden erschlagen
1537 Der Humanist Jakob Micyllus beschreibt das Michaelskloster als Ruine
nach 1555 Reformation in der Kurpfalz, die Klöster werden vom Kurfürsten eingezogen
1589 Die Klosterruinen werden der Universität als Steinbruch für Erweiterungsbauten überlassen
1645 Merian fertigt einen Stich vom der Michaelsruine und dem Heidenloch an
1840 Victor Hugo stattet dem Heiligenberg bei einem Aufenthalt in Heidelberg einen nächtlichen (!) Besuch ab
1886 Der Architekt und Archäologe Wilhelm Schleuning untersucht im Auftrag des badischen Staats die Ruine
1903 Heiligenberg geht ins Eigentum der Stadt Heidelberg über
1907 Erforschung des Ringwallsystems durch den Prähistoriker Ernst Schmidt
Um 1920 Der Künstler Heinrich Hoffman fertigt Zeichnungen vom Heiligenberg an, teils als Rekonstruktionen
1912, 1921, 1932 Untersuchungen des Michaels- sowie des Stephanskloster durch den Baureferendar Carl Koch
1929 Die Gaststätte „Waldschenke“ wird gebaut
1934/35 Die „Feierstätte“ („Thingstätte“) wird durch den Reichsarbeitsdienst im Zentrum der keltischen Siedlung errichtet und 1935 unter Anwesenheit von Reichspropagandaminister Josef Göbbels eröffnet
1936 Unter der Leitung von P.H. Stemmermann wird der Schutt aus dem Heidenloch geräumt
Nachkriegszeit bis ca. 1970 Zunehmender Verfall der Ruine sowie Diebstahl von Architekturstücken
1973 Auf Betreiben des Bodendenkmalspflegers Berndmark Heukemes wird die „Schutzgemeinschaft Heiligenberg“ gegründet
1980-1984 Archäologische Grabungen im Bereich des Michaelsklosters durch den Archäologen Peter Marzolff und Restaurierung der Ruine durch den Architekten Bert Burger
1996 Restaurierung des Stephansklosters durch Bert Burger
2019 Lehrgrabung im Bereich der inneren Keltenmauer unter Leitung der Archäologin des Kurpfälzischen Museums Renate Ludwig

Rekonstruktionen

Rekonstruktionen von Bernhard Oswald – Miltenberg

Fotostrecke

Presseartikel

RNZ vom 13.09.2022

„Ein Ort der Mystik, der uns guttut“

Denkmaltag: Führungen und Andacht auf dem Heiligenberg

shy. Die Abendsonne tauchte den Heiligenberg am späten Sonntagnachmittag in warmes Licht – ganz so, als wollte sie diese besondere Stimmung, die inmitten der Ruine des Michaels-Klosters herrschte, noch unterstreichen. Der Handschuhsheimer

Verein „Schutzgemeinschaft Heiligenberg“ hatte gemeinsam mit Bruder Bruno, der im Benediktiner-Kloster Neuburg lebt, zur Andacht in die Klosterruine auf dem Heiligenberg eingeladen – dorthin, wo schon vor 1000 Jahren Benediktinermönche lebten, arbeiteten, predigten und beteten.

Etwa 70 Gäste kamen zur Andacht in die Kirchen-Ruine des Michaels-Klosters. Foto: Philipp Rothe

Anna Leitz vom Verein „Klassik inHandschuhsheim“, sorgte für die musikalische Begleitung, und so war es ein stimmungsvoller Abschluss zum „Tag des of fenen Denkmals“, den die rund 70 Gäste sichtlich genossen. „So viele waren es noch nie“, freute sich auch Bert Burger, der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft. Er betonte: „Es ist ein Ort der Tradition, ein Ort nah am Himmel, und ein Ort der Mystik, der uns guttut.“

Diese Tradition und die Baudenkmale auf dem Heiligenberg zu bewahren, ist seit Jahrzehnten sein Herzensanliegen. Rund 75 Bürger nahmen im Laufe des Sonntags außerdem an den drei Führungen der Schutzgemeinschaft zum Denkmaltag auf dem Heiligenberg teil. „Insgesamt haben wir weit über 150 Besucher gehabt“, zog Burger am Montag zufrieden Bilanz.

 

RNZ vom 08.08.2022 (Vergrößerung hier anklicken)

 

Baden-Württemberg.de vom

KUNST UND KULTUR                        

375.000 Euro für Keltenstätten in Heidelberg

Mit rund 375.000 Euro Fördermittel werden die Keltenstätten in Heidelberg unterstützt. Die Planungen für den Keltenpark auf dem Heiligenberg und für die überarbeitete Ausstellung im Kurpfälzischen Museum sollen bis zum dritten Quartal 2024 umgesetzt sein.

Weiterer Schub für die Landeskonzeption „Keltenland Baden-Württemberg“ (PDF): Für insgesamt gut 500.000 Euro werden auf dem Heiligenberg Rekonstruktionsbauten entstehen und die Keltenausstellung im Kurpfälzischen Museum modernisiert, wie Kunstministerin Theresia Bauer am 21. Juli 2022 in Stuttgart mitteilte. Die Keltenstätten in Heidelberg werden vom Bund mit 251.000 Euro und vom Land mit 125.500 Euro gefördert. Das Kurpfälzische Museum steuert Eigenmittel von ebenfalls 125.550 Euro bei. „Die Bewilligung ist da, jetzt kann es losgehen“, sagte Theresia Bauer. Die Maßnahmen sollen bis zum dritten Quartal 2024 umgesetzt sein.

„Damit ist auch Heidelberg Teil der Keltenkonzeption Baden-Württemberg“, sagte die Ministerin weiter. „Überall im Land wird das keltische Erbe aufgewertet und besser sichtbar gemacht.“ Die in der Konzeption des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg genannten Maßnahmen sollen ein Gefühl für die keltische Zeit vermitteln. Die Maßnahmen aus der Keltenkonzeption des Landes Baden-Württemberg werden aus dem Bundesprogramm „Investitionen in nationale Kultureinrichtungen“gefördert.

Realisierung der Vorhaben ab Mitte 2023 geplant

Die Planungen für den Keltenpark auf dem Heiligenberg und für die überarbeitete Ausstellung im Kurpfälzischen Museum werden bis zum Jahresende 2022 konkretisiert. Anfang 2023 beginnen die Bauvorbereitung und der Abbau der bisherigen Ausstellung, ab Mitte 2023 die Realisierung der Vorhaben.

Das Projekt „Heidelberg und seine Kelten“ hat zwei tragende Säulen:

  • Auf dem Heiligenberg wird der bestehende Keltenweg durch digitale, interaktive Angebote modernisiert und barrierefrei als „Keltenpark“ gestaltet. Eine neu entwickelte App richtet sich an interessierte Touristinnen und Touristen als Anregung zur Erkundung des Heiligenberges, und darüber hinaus als mobile Lernplattform an Kinder und Jugendliche. Die App soll Bindeglied zwischen dem Fundplatz auf dem Berg und den Exponaten im Museum sein. Die Monumentalität der keltischen Ringwallbefestigung lässt sich idealerweise durch eine 1:1-Modellrekonstruktion erfahren. Das soll durch den Bau einer Freilichtanlage erreicht werden, die eine Teilrekonstruktion der Wallanlage sowie zusätzlich einen Infopavillon umfasst. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem städtischen Landschafts- und Forstamt und dem Landesamt für Denkmalpflege.
  • Der „Heiligenbergsaal“ des Kurpfälzischen Museums der Stadt Heidelberg wird als interaktiver Erlebnisraum neukonzipiert und inhaltlich auf die keltische Epoche geschärft. Ein begehbares Panoramabild der Keltensiedlung auf dem Heiligenberg wird zwischen Museum und Fundort vermitteln. Durch den Einsatz digitaler Medien werden den Besucherinnen und Besuchern optimale Informationsmöglichkeiten geboten.

 

RNZ vom 15.07.2022

Damit die keltische Geschichte sichtbarer wird
Neupräsentation auf dem Heiligenberg geplant – Land sagte Förderung zu – Bewilligungsbescheid wird nächste Woche übergeben

Von Julia Lauer

Die Thingstätte auf dem Heiligenberg ist nicht zu übersehen, genauso wenig die Klosterruine Sankt Michael. Die keltische Geschichte auf dem Berg hingegen ist nicht so sichtbar: Nur ein paar Schautafeln weisen darauf hin. Das soll sich ändern. Geplant ist unter anderem einen Teil des Ringwalls zu rekonstruieren. Zu diesem Zweck hatte sich Heidelberg für ein Landesförderprogramm beworben. Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen Museums in Heidelberg, soll den Bewilligungsbescheid kommende Woche in Stuttgart erhalten, wie dIe RNZ auf Nachfrage beim Ministerium erfuhr.

„Das keltische Erbe aus vorchristlicher Zeit aufzuwerten und besser sichtbar zu machen, ist für Heidelberg und die Region von Bedeutung“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) anlässlich der Aufnahme des Heiligenbergs in die Keltenkonzeption des Landes.

Die ins Auge gefassten Maßnahmen vermittelten ein Gefühl für die keltische Zeit. „Sie bieten eine Möglichkeit, das Thema für Tourismus und Bildungsarbeit besser zu nutzen“, so die Ministerin, die als Heidelbergerin mit den Örtlichkeiten vertraut ist und auch an einem frühen Gespräch zur Aufnahme Heidelbergs teilnahm.

Geplant ist zunächst, den bestehenden Keltenweg auf dem Heiligenberg besser zu befestigen und barrierefrei zu gestalten. Ein Tor im keltischen Baustil soll den Eintritt in die Welt der Kelten markieren, ein Infopavillon mit Schautafeln über die keltische Geschichte informieren. Um einen Eindruck von der Monumentalität der Ringwallbefestigung auf dem Berg zu vermitteln, soll ein Abschnitt des Walls in den ursprünglichen Dimensionen rekonstruiert werden. Tastmodelle für Blinde sind ebenfalls vorgesehen. Eine App soll mit Hilfe von QR-Codes eine Verbindung zum Kurpfälzischen Museum herstellen, wo wichtige Fundstücke zu sehen sind. Daneben ist eine Neukonzeption des „Heiligenbergsaal“ im Kurpfälzischen Museum nebst barrierefreiem Zugang anvisiert.

Die Maßnahmen am Heiligenberg und im Kurpfälzischen Museum werden insgesamt 502500 Euro kosten. Das Land gibt einen Zuschuss in Höhe von 125 550 Euro, in derselben Höhe steuert das städtische Kurpfälzische Museum Eigenmittel bei. Dazu kommen Gelder vom Bund in Höhe von 251 550 Euro. „Der Bewilligungsbescheid ist der Startschuss, dann geht es los“, so Ministerin Bauer. Bis zum dritten Quartal 2024 sollen die Maßnahmen umgesetzt sein.

„Das ist eine tolle Chance, spröde archäologische Quellen einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen“, freut sich Renate Ludwig vom Kurpfälzischen Museum. Sie rechnet damit, dass die archäologische Abteilung des Museums künftig bis zu 30 Prozent mehr Besucher verzeichnen wird. Wie viele Touristen der Heiligenberg aufgrund der Neupräsentation des keltischen Erbes anziehen wird, ließe sich nicht schätzen, da es zu dem Besucheraufkommen keine Zahlen gebe.

„Der Heiligenberg ist ein wichtiges Naherholungsgebiet – das soll er auch bleiben“, versichert Ludwig. Die Schotterung des Keltenwegs etwa sei nicht vorgesehen, im Wald werde auch nichts betoniert. „Das Forstamt trägt die Pläne mit. Wir konnten vermitteln. dass es auf dem Heiligenberg einen sanften Tourismus geben wird.“

Die Neupräsentation der keltischen Geschichte ist auch im Sinne der Schutzgemeinschaft Heiligenberg. „Ein didaktisches Konzept für die Keltenstätte wollen wir schon seit Jahrzehnten auf den Weg bringen“ erklärte der Vereinsvorsitzende Bert Burger. „In Heidelberg ist dieser tolle Berg, und da wird kaum geforscht. Dabei befand sich hier eine der größten keltischen Stätten nördlich der Alpen.“

Dass die Maßnahmen umweltverträglich sein sollen, bestätigt auch er. „Es kommen Holz und Lehm zum Einsatz sowie Fundamente aus Steinen.“ Kürzlich sei ein Arbeitskreis zur Umsetzung ins Leben gerufen worden, auch die Schutzgemeinschaft sei beteiligt. Dieser wolle bald einen geeigneten Standort für den Infopavillon finden. Im Gespräch seien eine Wiese westlich der Waldschänke sowie der Parkplatz, berichtet Burger. „Diese Entscheidung soll Ende August oder Anfang September fallen.

RNZ vom 2./3.04.2022

Heiligenberg

Entwicklungskonzept für den Heiligenberg

Die Kultur der Kelten soll „erlebbarer“ werden. Das Förderprogramm des Landes soll dabei helfen.

OB Würzner (4. v. r.) tauschte sich mit einer Expertenrunde über die Möglichkeiten aus, die keltische Vergangenheit des Heiligenberges erlebbarer zu machen. Fotos: Bechtel

Von Manfred Bechtel

Heiligenberg. Der Heiligenberg ist einer der interessantesten Berge in Deutschland: Die Kelten bauten auf den Kuppen eine Stadt, die Römer ein Heiligtum, die Mönche aus Lorsch zwei Klöster. Im Dritten Reich schließlich wurde ohne Rücksicht auf die archäologischen Zeugnisse die Thingstätte aus dem Boden gestampft. Insbesondere die keltische Vergangenheit des Berges ist für Besucher heute nicht so gut zu erkennen, wie es möglich wäre.

Ein Modell einer keltischen Mauer aus Steinen und ohne Mörtel. Fotos: Bechtel

Jetzt soll ein Entwicklungskonzept die Kultur dieser Epoche „erfahrbarer und erlebbarer“ machen, so formulierte es Oberbürgermeister Eckart Würzner. Das Stadtoberhaupt sowie Vertreter von Ämtern und Stadtwerken machten sich vor Ort ein Bild. Realisiert werden soll unter anderem ein Info-Zentrum, das die Besucher empfängt, sie mit der Geschichte des Berges vertraut macht und Vergangenes visualisiert. Dieser Pavillon steht auch für die Verbindung von geschichtlichem Schauplatz und Museum in der Stadt. „Das Museum soll auf den Berg und der Berg ins Museum kommen“, wie es Renate Ludwig, Leiterin der archäologischen Abteilung formulierte. Der „Info-Point“ ist im Bereich des großen Parkplatzes geplant. In dieser ersten Realisierungsstufe bereits enthalten ist auch der Bau einer öffentlichen Toilettenanlage, die neben der „Waldschenke“ gebaut werden soll.

Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen Museums, berichtete von dem Förderantrag, den Heiligenberg in das Kelten-Programm des Landes aufzunehmen. „Der Antrag ist auf gutem Weg, das Ergebnis müssen wir noch abwarten“, sagte Hepp. Ein Sponsorenkonzept sei Bestandteil des Antrags.

Ein ganzes Keltendorf wurde in Otzenhausen im Saarland rekonstruiert. Auf dem Heiligenberg schlägt die Schutzgemeinschaft vor, keltische Siedlungskultur am Beispiel von zwei typischen Häusern zu vermitteln. Fotos: Bechtel

Während noch der Bewilligungsbescheid vom Land abgewartet wird, wird Stufe zwei des „Zukunftskonzepts“ bereits „mitgedacht“. Dazu hatte die „Schutzgemeinschaft Heiligenberg“ Vorschläge vorbereitet. Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten für die Erhaltung des historischen Erbes auf dem Berg ein. Jetzt ist er Kooperationspartner des Zukunftskonzepts. Die Entwürfe richten sich auf den Platz westlich der „Waldschenke“. Dort wurde die Wiese gemäht, für Burger ist das ein guter Ort für zwei keltische Häuser, so wie sie früher zahlreich auf der Kuppe standen. Hier sieht er auch eine eindrucksvolle Position für die Rekonstruktion eines Teilstücks der gallischen Mauer, damit auch die Verteidigungsanlage auf dem Berg „erlebbar“ wird. Dieses Bollwerk zog sich einst als doppelter Ring um die Kuppen. „Darüber wird schon seit 50 Jahren diskutiert“, fügt Bert Burger, Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft Heiligenberg“ an. OB Würzner kann sich in einem „Freilichtmuseum unter Federführung des Kurpfälzischen Museums“ sogar einen Turm oder ein Stadttor vorstellen. Das Land will er im Augenblick mit den weitergehenden Plänen nicht „verschrecken“, wohl aber signalisieren, „wir realisieren das jetzt, wir machen diese Entwicklungsplanung, sind auch mit weiteren Sponsoren im Gespräch, mit Förderern in Heidelberg, dass man da noch Partner findet“.

Im Rahmen des Konzepts „Keltenland Baden-Württemberg“ wird auch der Heiligenbergsaal im Kurpfälzischen Museum verändert, ebenfalls der Lehrpfad „Keltenweg“ auf dem Berg. Als Standort für die Teilrekonstruktion einer keltischen Umfassungsmauer schlagen die Museumsarchäologen den Bereich des von ihnen 2019 ausgegrabenen Stückes Keltenwall beim Parkplatz vor. Eine museumspädagogische Mitmachstation ist ebenso im Gespräch wie eine Feuerstelle, wo man keltisch kochen oder grillen kann.

 

 

RNZ 29.10.2021

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RNZ 08.10.2021

Land will keltisches Erbe fördern

Heiligenberg soll neu präsentiert werden – Computergestützte Simulation als Hilfsmittel – Höhe des Zuschusses noch nicht bekannt

Von Julia Lauer

Auf dem Heiligenberg deutet nur wenig darauf hin, dass sich hier früher eine keltische Höhensiedlung befand. Das soll sich künftig ändern. Dabei sollen auch moderne Medien zum Einsatz kommen. Archivfoto: kaz

Heidelberg. Um die zwei Jahrhunderte lang waren die Kelten im Heidelberger Stadtgebiet ansässig, auf dem Heiligenberg unterhielten sie wohl einen Fürstensitz – doch davon ist heute, rund 2500 Jahre später, kaum mehr etwas zu sehen. Das soll sich künftig ändern: Das Kurpfälzische Museum arbeitet daran, das keltische Erbe auf dem Heiligenberg neu zu präsentieren. Nun hat das Land am Mittwochabend auf einer Online-Veranstaltung des Museums seine Unterstützung zugesagt.

„Wir sind gerade dabei, das Ganze sozusagen verwaltungsmäßig einzutüten, aber im Prinzip gehört Heidelberg für uns schon zu den Stätten, die gefördert werden“, sagte Andreas Schüle, der im Wissenschaftsministerium in Stuttgart das zuständige Referat leitet. „Der Heiligenberg und das Kurpfälzische Museum sind im Prinzip so gut wie durch“, erläuterte er mit Blick auf die Entscheidung über eine Förderung. Das Land zielt mit dem Programm „Keltenland Baden-Württemberg“ darauf ab, das keltische Erbe des Landes stärker ins Bewusstsein der Menschen zu rücken und auch touristisch zu nutzen. Dazu investiert es in Fundstätten und in Museen, die über das Bundesland verstreut sind.

Das Land hatte von Anfang an Bereitschaft signalisiert, die Keltenstätte Heiligenberg und das Kurpfälzische Museum im Rahmen der Keltenkonzeption zu fördern. Seit Mitte November vergangenen Jahres lag dem von Theresia Bauer (Grüne) geführten Wissenschaftsministerium ein entsprechender Antrag des Kurpfälzischen Museums vor. Was noch ausstand, waren eine fachliche Bewertung des Heidelberger Konzepts sowie vertiefende Gespräche mit dem Kurpfälzischen Museum sowie mit der Stadt.

Damit ging es offenbar voran: Im Juni war Referatsleiter Schüle mit dem Keltenbeauftragten der Landesregierung, Thomas Hoppe, in Heidelberg zu Gast, wie er nun erzählte. Dort hätten sie den Heiligenberg und das Kurpfälzische Museum besucht, und Museumsdirektor Frieder Hepp und Renate Ludwig, Leiterin der Abteilung Archäologie und Denkmalschutz, hätten ihnen ihre Vorstellungen zur Präsentation des Berges dargelegt. Auch fanden seither mehrere Abstimmungsrunden statt.

„Auf dem Heiligenberg wird man in Zukunft mehr vom keltischen Erbe dieses Berges sehen als bisher“, fasste Schüle das Vorhaben zusammen. Dabei werde auch „Augmented Reality“ eine Rolle spielen – computergestützte Simulationen. Konkreter wurde Schüle nicht. Und auch sein Haus wollte nicht näher auf die geplanten Maßnahmen eingehen. „Die vom Kurpfälzischen Museum vorgestellten Projekte zur Sichtbarmachung des keltischen Erbes auf dem Heiligenberg und im Museum gehen aus Sicht des Ministeriums in eine sehr gute Richtung“, hieß es von dort auf Anfrage der RNZ.

Auch der Umfang der Förderung steht noch nicht fest. „Deren Höhe wird sich aus dem endgültigen Förderantrag ergeben, der bisher noch nicht vorliegt, den das Museum aber in den nächsten Wochen einreichen wird“, erklärte eine Sprecherin des Ministeriums. Grundsätzlich leistet das Land keinen größeren finanziellen Beitrag als die an den Maßnahmen beteiligte Stadt.

Zu den Besonderheiten des Heiligenbergs zähle, dass er für eine besondere Episode der keltischen Geschichte stehe, würdigte Schüle. Die Kelten waren im fünften und im vierten vorchristlichen Jahrhundert im Stadtgebiet ansässig – und damit in der mittleren Keltenzeit. Aus dieser Epoche gebe es im Land keinen anderen so bedeutenden Ort, hatte Archäologin Ludwig im vergangenen Jahr gegenüber dieser Zeitung erklärt.

„Wir freuen uns sehr über die Botschaft, dass unsere Konzeption wohl auf gutem Wege ist“, erklärte Museumsdirektor Hepp. Staatssekretärin Petra Olschowski will am 28. Oktober nach Heidelberg kommen, um sich ein Bild von den Vorhaben für den Heiligenberg und dem Kurpfälzischen Museum zu machen.

HINTERGRUND

>Kelten in Heidelberg: Im fünften und vierten vorchristlichen Jahrhundert waren Kelten im Stadtgebiet ansässig. Wichtigstes Fundstück ist ein Sandsteinkopf mit Blattkrone, der 1893 in Bergheim gefunden wurde. Lange dachte man, dass der Kopf eine Gottheit zeige. Doch dann wurde im hessischen Glauberg eine menschliche Figur gefunden, ebenfalls mit Blattkrone. Der abgebildete Schmuck tauchte auch in einem Grab auf, sodass es sich um einen Fürsten gehandelt haben muss.

>Heiligenberg als Fürstensitz: Der Glauberger Kopf ähnelt stark dem Heidelberger Sandsteinkopf, weshalb auch ein Fürstensitz in Heidelberg vermutet wird. Zuvor hatte die Doppelwallanlage auf dem Heiligenberg dies schon vermuten lassen. Im Tal wurden zwar schlichte Keltengräber entdeckt – jedoch keines, das als Fürstengrab zu erkennen war.

>Kelten in Baden-Württemberg: Die Entscheidung, die Heuneburg bei Sigmaringen zu einer „Kelten-Erlebniswelt“ auszubauen, war die Initialzündung für das landesweite Förderprogramm. Welche Orte gefördert werden, steht noch nicht endgültig fest. Die Förderung setzt voraus, dass tragfähige Konzepte vorgelegt werden und sich die Orte an der Finanzierung beteiligen. jul

RNZ 07.02.2021

Heidelberg

Die besondere Rolle des Heiligenbergs bei der „Keltenkonzeption“

Baden-Württemberg stellt mit einer „Keltenkonzeption“ die Vielfalt heraus, die das Land bei Fundstücken dieser zeitlich fernen Kultur aufweist.

​Der „Heidelberger Kopf“ (li.) gleicht der Fürstenstatue vom hessischen Glauberg im Kopfputz. Eigentlich eine Steinskulptur dient diese bereits als Vorbild für zahlreiche Kunststoff-Repliken (re.). Dieses Modell (großes Bild) zeigt die Befestigung der keltischen Großsiedlung Heuneburg. Sie gilt als die von Herodot erwähnte Stadt „Pyrene“ und ist Schwerpunkt des Förderprogramms „Keltenkonzeption Baden-Württemberg“. Fotos: KMH Kemmet / Hüll

 

Von Felix Hüll

Heidelberg. „Kann das sein? Guck mal, der sieht doch aus wie Micky Maus!“ Der Junge wendet sich fasziniert der Steinskulptur zu, einem menschlichen Kopf mit zwei Wulsten daran. Mit etwas Fantasie erinnern sie wirklich an Mausohren wie die der Walt-Disney-Comicfigur. Aber der Steinkopf ist erheblich älter: so ungefähr 2400 Jahre. Gefunden wurde er 1893 auf dem Grundstück Bergheimer Straße 50 – als Teil einer Männerstatue aus der sogenannten Frühlatènezeit ist er eine Hinterlassenschaft der Kelten in der Region um den Heidelberger Heiligenberg.

Er ist ein Symbol für Heidelbergs besondere Stellung innerhalb der „Keltenkonzeption“ Baden-Württembergs. Das ist ein Projekt, das die historische Bedeutung des Landes für diese Kulturepoche erfasst, bündelt und besser als bisher vermitteln will.

Dazu muss man wissen, dass die Kelten sich territorial nicht nach heute gültigen Grenzen von Staaten oder Nationen in Schubladen stecken lassen. Die keltische Kultur wird in einer Zeitspanne von etwa 800 vor Christus bis um die Zeitenwende verortet und erstreckte sich im Kern von Spanien, Frankreich über Süddeutschland bis hin nach Tschechien und Ungarn.

Wer waren die Kelten? „Sie sollen das erste europäische Volk gewesen sein, obwohl sie nie einen Staat, wie etwa das Imperium Romanum bildeten. Sie hatten vielfältige ethnische Identitäten.“ So erklärt es Renate Ludwig vom Kurpfälzischen Museum Heidelberg. Sie ist dort die Leiterin der Abteilung Archäologie und Denkmalschutz.

Woher rührt dieses Interesse an einer vergangenen Kultur, von der es im Vergleich etwa zur römischen oder mittelalterlichen Geschichte ungleich weniger Schriftzeugnisse und Fundstücke gibt?

Ludwig: „Je älter die Vergangenheit ist, desto symbolkräftiger wird sie empfunden. Die Kelten am Übergang zwischen Urgeschichte und der mit zeitgenössischen Quellen belegten Geschichte sind dafür ein hochaktuelles Beispiel.“ Die Kelten selbst haben keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen. Wir wissen relativ viel durch römische und griechische Autoren, die Zeitgenossen der Kelten waren. Das ist aber immer noch wenig genug. Es eröffnet der Fantasie jede Menge Spielraum. Und nicht alles, was über Kelten veröffentlicht wird, hält wissenschaftlichen Kriterien stand.

Ludwig: „Gerade in den letzten 30 Jahren ist die vermeintlich heile Welt der Kelten Gegenstand esoterischer Sehnsüchte und gilt als ’ganzheitlich’, ’authentisch’, ’naturnah’. Wir Archäologen sehen diese pseudofolkloristische Keltomanie mit Kopfschütteln.“

Nachgewiesen haben die Altertumswissenschaften in der Frühzeit der keltischen Kultur Fürstensitze und für eine spätere Periode stadtähnliche Siedlungen, „Oppida“ genannt. Aber jene „naturnahen“ Kelten rodeten auch die Wälder und trugen selbst untereinander ständig Konflikte aus.

Die Bilder von Druiden in harmonischem Einklang mit der Natur wie den Mitmenschen geht zurück auf romantische Bilder einer keltischen Gesellschaftsordnung. Ihren Ursprung haben sie im Irland des 17. Jahrhunderts. Von dort verbreiteten sie sich in Europa bis zu den heute im Internet anzutreffenden Druidenorden unterschiedlichster Couleur. Die Kelten selbst haben dazu keine Schriftquellen überliefert, und manche Fundstücke dokumentieren ganz andere Verhaltensweisen. Alexander Heinzmann ist Autor des Buches „Die Ringwälle auf dem Heiligenberg bei Heidelberg – Keltischer Fürstensitz oder Keltenstadt?“ Er glaubt, dass man dies von der Keltenzeit lernen könne: „Sie waren zweimal auf den Weg zu einer Hochkultur und sind zwei mal abgebogen. Die Gründe dafür sind unsicher.“ Aber verschwenderischer Umgang der Kelten mit natürlichen Ressourcen wie den Wäldern um die Oppida-Großsiedlungen gilt laut Heimatforscher Heinzmann als belegt – „und das ist etwas, was man aus dieser Zeit lernen könnte.“

Trefflich ließe sich so ein Nach-Denken in einem Museum anregen: Für den Ausbau bisheriger Angebote und Keltenschauplätze im Land sollen zehn Millionen Euro Fördermittel im Rahmen der Keltenkonzeption ausgegeben werden. Das hat die Landesregierung 2019 beschlossen. Für den Heiligenberg liegen zwar Pläne für Modernisierung und Ertüchtigung des bestehenden Keltenwegs vor. Sie reichen aber wohl noch nicht aus, um die entsprechenden Anträge mit Aussicht auf Erfolg stellen zu können.

Die zuständige Kunststaatssekretärin im Wissenschaftsministerium, Petra Olschowski, erklärt, dass noch im ersten Quartal (wohl im März) Vertreter des Ministeriums zu einem Vor-Ort-Termin nach Heidelberg kommen wollen, um mit den Antragstellern u.a. im Kurpfälzischen Museum die vorliegenden Konzeptentwürfe abzustimmen. Innerhalb Baden-Württembergs zeichnet den Heiligenberg der Blick über die (heutigen) Landesgrenzen aus: die Gegend hier soll in einer Beziehung zum Glauberg in Hessen gestanden haben wie auch der Donnersberg und Bad Dürkheim in Rheinland Pfalz.

Rein optisch legt dies schon der Fund der Glauberger „Fürstenstatue“ nahe – diese im Juni 1996 in einem Grabhügelumfeld gefundene Skulptur trägt eine ganz ähnliche Kopfbedeckung wie das Heidelberger Keltenhaupt. Die beiden Micky-Maus-Ohr-ähnlichen Wülste am Heidelberger wie Glauberger Kopf werden als Mistelblatt-Krone gedeutet. Sie kennzeichnen seinen Träger als hervorgehobenen einflussreichen Menschen, einen Krieger oder Wissenden, eventuell Druiden/Priester.

Eine solche Außenbeziehung der Siedlung auf dem Heiligenberg zählt zur Vielfalt keltischer Kultur auf dem Gebiet Baden-Württembergs. Sie ist bislang aber eher nur Fachleuten ein Begriff. Die Keltenkonzeption soll sie wie auch die Besonderheiten der anderen Keltenorte einem breiteren Publikum besser als bisher verdeutlichen und dazu einladen, sich das näher anzusehen..

Für Heidelberg ist dabei eine sanfte Erschließung des Heiligenbergs mittels eines „Keltenparks“ angedacht. Mit der Schutzgemeinschaft Heiligenberg und der Handschuhsheimer Geschichtswerkstatt um deren Keltenexperten Alexander Heinzmann entstand ein Entwurf. Ins Auge gefasst ist u.a. der Nachbau einer keltischen Pfostenschlitzmauer, wie sie inzwischen auch für die Ringwälle um den Heiligenberg nachgewiesen wurde.

Mit Hilfe einer App soll das erforderliche Hintergrundwissen über Heidelbergs Keltenzeit bereitgestellt werden. Die Umgebung wenig beeinträchtigende Pfosten könnten einen QR-Code tragen, der das Abrufen der entsprechenden Internetseite ermöglicht.

Nur: Wenn das Vorhaben gelingt, steht zu befürchten, dass zu viele neue Kelten-Fans mit dem Auto auf den Berg kommen. Der Heiligenberg als Kelten-Drive-In? Ludwig: „Das soll kein zweiter touristischer Hotspot wie das Schloss werden.“ Sie kalkuliert für dieses Projekt mit einem sechsstelligen Betrag. Sobald der Keltenkonzeption-Zuschlag bewilligt sei, könne man das Vorhaben im Zeitraum von bis zu drei Jahren verwirklichen.

Wer so lange nicht warten möchte, kann schon jetzt ein fertiges Museum besuchen: 140 Kilometer nördlich von Heidelberg befindet sich die „Keltenwelt am Glauberg“, die neben den lokalen Funden auch die Geschichte der Kelten allgemein nachzeichnet.

Info: www.verein-keltenwelten.dewww.mwk.baden-wuerttemberg.de (Stichwort: Keltenland)

Vielfalt keltischer Fundstätten in Baden-Württemberg:

1) Heuneburg – Herodots Keltenstadt „Pyrene“ – heute Freilichtmuseum, beschilderter Wanderweg, Museum Hundersingen nahebei, geplanter Ausbau als Schwerpunkt mit Besucherzentrum

2) Ipf – frei stehendes Berggipfelplateau, Freilichtanlage mit Gebäude-Nachbauten, Museum in Bopfingen, Besucherzentrum geplant

3) Heidengraben – größte befestigte spätkeltische Großsiedlung (Oppidum) Europas, Museum Grabenstetten, Erlebnispfad, Besucherzentrum geplant

4) Hochdorf – Fürstenprunkgrab: Museum ist bisher eine der umfassendsten Keltengeschichte-Präsentationen in Baden-Württemberg (geplant: digitale Ergänzungen), nahebei Hohenasperg/Ludwigsburg

5) Landesmuseum Württemberg – keltische Schwerpunktsammlung in Stuttgart

6) Finsterlohr – zwischen Tauberbischofsheim und Rothenburg gelegene Großsiedlung (Oppidum)

7) Magdalenenberg – Fürstinnen-Groß-Grabhügel, Keltenfunde im Franziskanermuseum Villingen-Schwenningen (geplant: digitale Ergänzungen)

8) Keltenregion Breisgau – zentriert im Museum Colombischlössle Freiburg (geplant: digitale Ergänzungen), Oppidum „Tarodunum“ nahebei in Kirchzarten

9) Münsterberg Breisach – überbauter keltischer Fürstensitz,Grabhügel, Museum für Stadtgeschichte Breisach

10) Archäologisches Landesmuseum – Konstanz, Präsentation der allgemeinen Erkenntnisse der Landesarchäologie

11) Doppeloppidum Altenburg (D) und Rheinau (CH), keltisches „Handelszentrum“ veranschaulicht das weit verzweigte Netz keltischer Wirtschaftsbeziehungen

12 ) Heiligenberg Heidelberg – keltischer Mittelpunkt als Handelszentrum am Unteren Neckar, beschilderter Weg, Funde insbesondere neu der letzten Jahrzehnte im Kurpfälzischen Museum, (weitere digitale Ergänzung angedacht), Ausgrabungen Keltisches Handwerk Dossenheim des Landesamts für Denkmalschutz in Planung

13 ) Badisches Landesmuseum Karlsruhe u.a. mit „Heidelberger Kopf“ und modernen Präsentationsformen wie Virtual Reality

14 ) Donnersberg – Keltenweg, Siedlungs-Nachbauten, Museum (Rheinland-Pfalz)

15 ) Glauberg – hessisches Museum „Keltenwelt Glauberg“ sowohl mit allgemeiner keltischer Geschichte wie mit der von der überregionalen Bedeutung dieses Fürstensitzes, Rundwanderweg, Grabhügel

16 ) Bad Dürkheim (Rheinland-Pfalz) – Museum, „Heidenmauer“ Keltenstadt, Höhensiedlung, Fürstengrab (fhs)