Aktuelles

Eine Ankündigung des Kurpfälzischen Museums Heidelberg:

Vortragsreihe über die Kelten in Baden-Württemberg

Experten aus Forschung und Wissenschaft referieren online

Die 2019 auf Landesebene vorgestellte kulturpolitische Konzeption Baden-Württemberg und seine Kelten hat zum Ziel, die historische Bedeutung dieser Kulturepoche an besonderen Fundstätten und Museen im Land sichtbar und erfahrbar zu machen. Das Land an Rhein und Neckar bietet den Menschen seit jeher günstige Siedlungsvoraussetzungen. Neben den fruchtbaren Böden sind es die in alle Himmelsrichtungen führenden Wasserwege, die schon früh in der Geschichte Fernhandelskontakte möglich machten. Ein Höhepunkt dieser Entwicklung wird zur Zeit der Kelten erreicht.

Übersicht 

16.06.2021 Die Geschichte der Kelten in Südwestdeutschland im Spiegel aktueller Forschungen Prof. Dr. Dirk Krausse, Landesamt für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart
07.07.2021 Was gehen uns die Kelten an? Prof. Dr. Christoph Huth (Urgeschichtliche Archäologie der Universität Freiburg)
28.07.2021 Die Eisenzeit im Hegau – ein Überblick und neue Grabungsergebnisse Dr. Jürgen Hald (Kreisarchäologie Konstanz)
25.08.2021 Archäozoologie: Knochenfunde geben Einblick in die keltische Viehwirtschaft“ Dr. Simon Trixl (Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg)
01.09.2021 Tarodunum – spätkeltische Großsiedlung und Befestigung östlich von Freiburg i. Br. Dr. Heiko Wagner (Kirchzarten)
06.10.2021 Keltenland Baden-Württemberg – Die Keltenkonzeption des Landes Andreas Schüle (Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg)

Nächster online-Vortrag am Mittwoch, 28.07.2021 19.00 Uhr

 „Die Eisenzeit im Hegau“Überblick und neue Grabungsergebnisse

Späthallstattzeitlicher Bronzekessel aus einem Grabhügel bei Engen-Bargen. Bildnachweis: Landesamt für Denkmalpflege am Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Ben Wiesenfarth.
Späthallstattzeitlicher Bronzekessel aus einem Grabhügel bei Engen-Bargen. Bildnachweis: Landesamt für Denkmalpflege am Regierungspräsidium Stuttgart, Foto: Ben Wiesenfarth.

Der Landkreis Konstanz gehört zu den fundreichsten Altsiedellandschaften in Baden-Württemberg. Auch die Kelten haben dort zahlreiche Spuren hinterlassen. In seinem reich bebilderten Vortrag gibt Kreisarchäologe Dr. Jürgen Hald einen Überblick zu den zahlreichen frühkeltischen Grabfunden im Hegau, zu denen beispielsweise der „Heidenbühl“ bei Allensbach-Kaltbrunn zählt. Zudem werden auch neuere Ausgrabungen an eisenzeitlichen Fundstellen im Landkreis Konstanz vorgestellt. Hierzu gehören neben einer großen eisenzeitlichen Siedlung bei  Anselfingen und Welschingen auch interessante Neufunde wie eine frühkeltische „Straße“ bei Hilzingen oder  gut erhaltene Grabfunde, die bei Rettungsgrabungen in Neubaugebieten und bei Straßenbauprojekten in den letzten Jahren zutage gekommen sind.

Mit Dr. Jürgen Hald (Kreisarchäologie Konstanz)

Kostenlose Anmeldung per E-Mail an kurpfaelzischesmuseum@heidelberg.de

Veranstalter: Förderkreis Archäologie in Baden e.V. und Kurpfälzisches Museum Heidelberg

 

Information für die Mitglieder der Schutzgemeinschaft Heiligenberg – Geschichtswerkstatt Handschuhsheim.de in Coronazeiten:

Da aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen die Mitgliederversammlung nicht wie gewohnt im Februar 2021 stattfinden konnte, wurde allen Mitgliedern ein Jahresbericht  des Vorstandes zugeschickt, der im Folgenden nochmals veröffentlicht wird:

Jahresbericht 2020 – Informationen an die Mitglieder

Bei der Jahreshauptversammlung am konnte noch niemand ahnen, welchen harten Einschnitt die Corona-Pandemie in unsere Vereinstätigkeit bringen sollte!

Der für Mai geplante Jahresausflug 2020 zum Limesmuseum in Osterburken musste abgesagt werden, ebenso unsere Führungen mit kleiner Ausstellung und Andacht im Michaelskloster . Nach zwei gut besuchten Vorträgen in der Geschichtswerkstatt – Ende Januar und Februar – waren keine Zusammenkünfte im Seniorenzentrum mehr möglich, die neun weiteren Vorträge blieben ungehalten, das gesellige Beisammensein fiel aus.

Selbst die Vorstandstreffen beugten sich der Pandemie-Verordnung und fanden im Sommer im Gartenlokal der geschlossenen „Waldschenke“ statt.

Aber dennoch gibt es auch einiges Erfreuliche zu berichten, hat sich in Bezug auf den Heiligenberg, auf unseren Vereinszweck, einiges getan:

Rechtzeitig vor Corona-Ausbruch fand am 4. Februar in Anwesenheit von Dr. Renate Ludwig – Leiterin Archäologie und Denkmalschutz beim Kurpfälzischen Museum Heidelberg (KMH) – ein Vortrag zur Lehrgrabung auf dem Heiligenberg ( Sommer 2019 ) statt. Grabungstechniker Tobias Schöneweis vom KMH stellte im voll besetzten Saal des Gemeindehauses von St. Vitus die Ergebnisse der Grabung am inneren Ringwall vor. Es konnte belegt werden, dass die dortige Mauer als „Pfostenschlitzt-Mauer“ errichtet war, also aus einer Pfosten-Steine-Erde-Konstruktion bestand.

Vorstand Bert Burger erreichte in mehreren Begehungen mit Kulturamt und Hochbauamt erfolgreiche Ausbesserungenan der Klosterruine durch die Fa. Erban, zudem erhielt die einzige Originalsäule endlich eine fachgerechte Abdeckung zum Schutz des Kapitells gegen den Regen.

Außerdem übernahm der Verein die Kosten für notwendige Streicharbeiten an der Zauneinfassung im Eingangsbereich.

Der neue Flyer zum Keltenweg seitens der Kurpfälzischen Museums Heidelberg ist – nach Ergänzungen und Verbesserungen durch Bert Burger – nun (im Museum) erhältlich. Es fehlt jetzt noch die Aktualisierung der Hinweisschilder entlang des Weges.

Immerhin konnten auch einige Führungen unter Corona-Bedingungen stattfinden, u.a. eine Doppelführung im Oktober als Ersatz für den ausgefallenen Tag des offenen Denkmals. Als gemeinnütziger Verein sind unsere Führungen kostenlos, wir nehmen aber gerne Spenden für die Vereinsaufgaben. Corona-bedingt waren es 2020 weniger Führungen und kleinere Gruppen, so dass entsprechend weniger Gelder für den Heiligenberg eingingen. Daher ergeht ausnahmsweise dieses Jahr am Ende dieses Jahresberichtes ein Spendenaufruf.

Baden-Württemberg kann die bedeutendsten keltischen Anlagen Deutschlands vorweisen. Daher hat die Landesregierung zur Vernetzung der Anlagen und zur Förderung der weiteren Erforschung eine „Kelteninitiative“ausgerufen. In diesem Zusammenhang hat die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Theresia Bauer MdL, ihre „Sommertour 2020“ dem Heiligenberg gewidmet. Am 27.8. konnte Vorstandsmitglied Alexander Heinzmann sie und eine große Gruppe zu einer Führung auf den Heiligenberg begrüßen. Der Schwerpunkt lag natürlich bei den keltischen Spuren und auf der großen Bedeutung des Heiligenberges für die Kelten des 5./4. Jahrhunderts. Immerhin befindet sich hier die größte keltische Befestigung und Siedlung im Norden Baden-Württembergs. Wir hoffen, dass der Besuch der Ministerin Impulse gibt für eine intensivere wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Berg. Auch ist zu hoffen, dass aus der Landesinitiative Fördermittel für Vorhaben auf dem Heiligenberg fließen, bislang hat nur der württembergische Landesteil von der Förderung profitiert.

Besonders erfreulich und erwähnenswert ist, dass wir seit Mai über eine neue und sehr professionelle Homepage verfügen!! Schatzmeister Peter Jungmann konnte mit Ralf Schumacher einen versierten Fachmann zur Einrichtung der Homepage gewinnen. Vorstandsmitglied Hans-Hermann Büchsel hat diese dann mit Berichten, Informationen und Fotos zum Heiligenberg und zur Vereinstätigkeit „gefüttert“; zudem sorgt er dafür, dass unser Auftritt im Internet immer auf dem aktuellsten Stand ist. Dazu gehört momentan der Hinweis auf den schönen Bildkalender für 2021 mit Fotografien von Bettina Bank, er ist übrigens in der „Bücherstube an der Tiefburg“ erhältlich, soweit es die Corona-Lage zulässt. Corona-unabhhängig sind die Informationen über den Verein, besuchen Sie dazu einfach unsere Internetseite : https://heiligenberg-handschuhsheim.de

Besucher der Klosterruinen von St. Michael werden übrigens durch zwei Hinweisschilder am Eingang des Klostergeländes auf unsere Homepage verwiesen.

Neues gibt es auch hinsichtlich unserer Bankverbindung. Nach der Fusion mit der Volksbank in Weinheim mussten die Kontonummern neu vergeben werden. Unsere neue Nummer lautet:

IBAN: DE97 6709 2300 0033 072449 BIC: GENODE61WNM

Vorschau auf 2021

Regierungsrat Dipl. Ing. Carl Koch (1885-1957) ist vielen bekannt durch seine Ausgrabungen im Michaelskloster in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Seine sehr genauen Aufzeichnungen waren bei den Restaurierungsarbeiten in den 80er Jahren von großen Wert. Was kaum bekannt ist und bald zu vergessen droht, ist die Tatsache, dass sein Nachlass mit den Grabungsberichten in einem Archiv in Esslingen liegt. Bert Burger möchte nun erreichen, dass wesentliche Teile des Nachlasses kopiert werden, damit sie hier vor Ort liegen und jederzeit eingesehen werden können.

Unsere Jahreshauptversammlung 2021 wird – Corona-bedingt – nicht wie vorgeschrieben Anfang des Jahres stattfinden können. Wir hoffen, sie im Frühsommer nachholen zu können. Auf jeden Fall werden wir rechtzeitig dazu einladen. Bis dahin bemühen wir uns um Kommunikation mit den Mitgliedern per Rundbrief (Post oder e-Mail) und Homepage.

Wir wünschen allen Mitgliedern ein gutes bzw. besseres neues Jahr – bleiben Sie gesund!

Für den Vorstand

Alexander Heinzmann

Spendenbitte

Angesichts einiger Vorhaben auf dem Heiligenberg bei geringeren Einnahmen bitten wir die Mitglieder, falls es ihnen möglich ist, um eine Spende für Vereinszwecke. Sie erhalten selbstverständlich eine Spendenbescheinigung.

Wir bedanken uns im Voraus!

 

Öffentliche Führung im Michaelskloster am Samstag, den 17.10.2020, um 15.00 Uhr

Am Samstag, den 17. Oktober, fand eine Führung der Schutzgemeinschaft auf dem Heiligenberg statt. Nach Ankündigung auf der Homepage und in der RNZ hatten sich 25 Zeitnehmer/innen angemeldet und kamen fast alle trotz des nicht so charmanten Wetters auch tatsächlich zum Treffpunkt. Nach einem kleinen Regenschauer am Anfang wurden alle durch zunehmend freundlicheres Wetter im Lauf der Führung, die etwa eineinhalb Stunden dauerte, belohnt. (Fotos: B. Bank)

Alexander Heinzmann und Gruppe

Alexander Heinzmann und Gruppe

Hans-Hermann Büchsel und Gruppe

Hans-Hermann Büchsel und Gruppe

 

 

 

Wissenschaftsministerin Bauer auf dem Heiligenberg (28.08.2020)

Auf der Alten Brücke

Auf der Alten Brücke

Es sollte eigentlich schon vor einem Jahr stattfinden: Der Besuch der Wissenschaftsministerin und Heidelberger Landtagsabgeordneten Theresia Bauer auf dem Heiligenberg. Denn schon im Januar 2019 hatte der Ministerrat die kulturpolitische landesweite Konzeption „Baden-Württemberg und seine Kelten“ beschlossen. Damals musste der Besuch wegen eines Unfalls der Ministerin verschoben werden. So kam es denn, dass am 27. August Frau Bauer mit einer Gruppe von 20 interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern (noch einmal so viele hatten sich angemeldet, konnten aber aus Coronagründen nicht mitgehen) nach dem Besuch des Kurpfälzischen Museums den Marsch auf den Heiligenberg antrat. Hoch ging es über den Schlangenweg, den Philosophenweg, am Bismarckturm vorbei zum Fuchsrondell.

Geschafft! Der Schlangenweg

Geschafft! Der Schlangenweg

Marschrichtung

Marschrichtung

Hier begann Alexander Heinzmann, 2. Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Heiligenberg – Geschichtswerkstatt Handschuhsheim, seine Ausführungen über die keltische Vergangenheit auf dem und um den Heiligenberg. Dabei informierte er die Zuhörer/innen über die verschiedenen Epochen der keltischen Geschichte in Europa und besonders im süddeutschen Raum. In der ersten keltischen Phase der sog. Fürstensitze wird der Fürstensitz auf dem Heiligenberg relativ spät und wohl in einer Verbindung zu dem wichtigen keltischen Zentrum auf dem Glauberg in Hessen errichtet. Davon zeugen die Reste der 2 Ringmauern sowie ein in Neuenheim gefundener Kopf einer Statue eines Keltenfürsten. Nachdem nach 500 vor Chr. die Blütezeit der Fürstensitze bereits vorbei war, kommt es auf dem Heiligenberg zu einer Ansiedlung von zwischen 1000 und 3000 Kelten, die sicher in Verbindung mit landwirtschaftlichen Siedlungen um den Berg herum standen, da ein Lebensmittelanbau auf dem Berg nicht möglich war. Ob man diese Ansiedlung als ein keltisches Oppidum bezeichnen kann, darüber gibt es mangels ausreichender Forschungsergebnisse auf dem Berg keine gesicherten Erkenntnisse. Auch über das Ende der Besiedlung weiß man nichts, ebenso wie an anderen Orten keltischer Niederlassungen kann man spekulieren, ob es die fehlende Schriftkultur der Kelten war, die den wachsenden Gemeinschaften keine Struktur geben konnte, oder eine intensive Übernutzung der umgebenden Natur schließlich die Aufgabe der Siedlungen erzwang.

A. Heinzmann und die Kelten

A. Heinzmann und die Kelten

Weiter ging der Weg zum Heidenloch. Hier führten Alexander Heinzmann und Bert Burger, der 1. Vorsitzende des Vereins, aus, dass nach wie vor die Antwort auf die Frage, wer wann und zu welchem Zweck einen 56m tiefen Schacht in den Bundsandstein getrieben hat, noch nicht mit hinreichender Sicherheit gefunden werden konnte. Nahe liegende Erklärungen, die einen Brunnen oder eine Zisterne vermuten, werden durch die Struktur der Wasseradern auf dem Berg Richtung Nordwesten (wo heute noch 3 Brunnen zu finden sind), in Frage gestellt, auch durch die schlechte Wasserfestigkeit des Bundsandsteins. Die Alternative, das Heidenloch als keltische Kultgrube zu erklären, hat den Vorteil, dass Lage und der notwendige Arbeitsaufwand dann besser erklärbar wären, allerdings gibt es keine archäologischen Belege dafür, da das Heidenloch sekundär ausgebaut und im Spätmittelalter schließlich als Abfallgrube genutzt wurde.

Den Berg hoch

Den Berg hoch

Blick ins Heidenloch

Blick ins Heidenloch

Nun kam ein etwas abenteuerliches Wegstück, da der vor 24 Jahren angelegte Keltenpfad, dem die Gruppe jetzt folgte, teilweise vom Wald wieder zugewachsen war. Immerhin konnte hier recht deutlich ein Stück des Walls, vor den die innere Keltenmauer gebaut wurde, besichtigt werden. Alexander Heinzmann wies auf den enormen Aufwand zum Bau der zwei Mauerringe hin und erläuterte, dass diese neben der Verteidigungsfunktion wohl auch die Aufgabe hatten, nach außen die Macht und den Reichtum der keltischen Siedlungen zu demonstrieren.

Abschließend lässt sich resümieren, dass die bisherige geringe Erforschung der keltischen Besiedlung des Heiligenberges, die eine der größten im Süddeutschland war, in ihrer Bedeutung bisher nicht gerecht wurde und dass hier ein großer Nachholbedarf an archäologischen Forschungsgrabungen zu konstatieren ist.

Frau Ministerin Bauer bedankte sich am Ende für die Führung und die damit auch von ihr neu gewonnenen Erkenntnisse, äußerte Anerkennung für das ehrenamtliche Engagement zur Bewahrung und Erforschung der historischen Hinterlassenschaften auf dem Berg und zeigte Verständnis für den Wunsch nach einer Intensivierung der historischen Erforschung gerade der keltischen Vergangenheit. Vor allem auch im Rahmen des anfangs genannten Projekts „Baden-Württemberg und seine Kelten“ wäre hier ein neuer Forschungsschwerpunkt sinnvoll.

Ein Teil der Teilnehmer/innen beschloss den Rundgang mit einem gemeinsamen Umtrunk in der Waldschenke.